Dual unter Thomson Brandt
Der „Retter“ der angeschlagenen Firma ist nun der französische Thomson Brandt Konzern, der die Dual Geschäfte zum 1.7.1982 übernimmt. Die Pläne sehen vor das Produktion und Vertrieb getrennt und auf völlig neue Grundlagen gestellt werden. Neben dem Erwerb der Marke Dual werden die Rohstofflieferung und die Anmietung notwendiger Werkshallen (Werk 5 für Produktion und Werk 1 für Verwaltung) von der Perpetuum-Ebner GmbH und Co. KG übernommen.
Die Produktion wird in die DEWEK (Deutsche Elektronikwerke) und der Vertrieb in die Dual GmbH aufgespaltet. Der komplette Entwicklungsbereich wandert nach Villingen wo das Thomsoneigene Zentrallabor (ehem. Saba) besteht. Dual ist damit lediglich eine verlängerte Werkbank der von Thomson ins Leben gerufenen SEWEK (Schwarzwälder Elektronik-Werke -> ehem. SABA). Des Weiteren sind wiederum drastische Abbaumaßnahmen der Arbeitsplätze geplant, die auch durchgeführt werden . überflüssige Werkzeuge und Maschinen werden versteigert und der Erlös fließt ehem. Gläubigern zu bzw. wird für einen Sozialplan verwendet.
1982 entsteht kaum ein neues Produkt – lediglich eine neue Einsteigerserie kommt auf den Markt, die schon erahnen lässt was man in Zukunft von Dual erwarten kann. Anfang 1983 wird das Programm um Videoprodukte erweitert – diese werden vom japanischen Spezialisten JVC zugekauft und umgelabelt. Auch CD-Spieler werden zu dieser Zeit von Hitachi bezogen. Mitte des Jahres erscheinen neue Verstärker (CV1260/1460) die im Auftrag bei Denon gefertigt werden und gut konzeptioniert darstellen, die dazugehörigen Tuner stammen von deutschen Zulieferbetrieben – neue Kassettendecks mittlerer Preisklasse runden das Angebot ab.
Zur Funkausstellung 1983 kommt eine komplett neu gestaltete Plattenspielerserie. Vergleiche mit früheren Laufwerken können getrost außer acht gelassen werden, da diese nochmals rationeller gefertigt werden und gewöhnungsbedürftig wirken. Die Einbaulaufwerke für die Industrie schließen sich diesem Trend an und auch hier ist Dual wieder gut im Geschäft!
Die gehobenere Preisklasse verlässt Dual 1984 nach Auslaufen des ehem. Topmodells 741Q und die vorangegangenen Dual-Spezifischen Besonderheiten werden praktisch aufgegeben. Erste tangentiale Laufwerke bei Dual werden sogar zugekauft und viele der neuen Dual-Hifigeräte sind lediglich umgelabelte Thomsonprodukte aus Frankreich (insbesondere Kassettendecks) ! Weitere Zukäufe für die Produktpalette sind ein tragbarer Kassettenabspieler und Plattenspieler. Die letzten Heimanlagen kommen aus Italien!
Presseberichte bescheinigen 1984 einen erhöhten Umsatzgewinn und für 1985 wird der Einstieg in die CD-Spielerfertigung bekannt gegeben.
DUAL NEW TECH ab 1985
Thomson erkennt das die Marke Dual mehr Durchzugskraft benötigt – das Verfolgen einer einheitlichen Produktlinie mit markentypischen Schwerpunkten zu schaffen war fehl am Platze. Im Hifi-Bereich erscheint das New-Tech Kürzel , welches den Standpunkt von Dual als Spezialist im Audiobereich unterstreichen soll. Zur Funkausstellung werden diese mit großem Aufgebot präsentiert. Den hohen Anspruch verdeutlich u.a. ein neuer leistungsfähiger Verstärker (CV440) , der von den inneren Werten durch und durch zu überzeugen vermag, allerdings ist die Anfassqualität (Plastikfront und Bedienelemente) nicht gerade auf Oberklasseniveau, was auch den potentiellen Käufern auffallen mag. Ein Tuner und der erste in Deutschland gefertigte CD-Spieler (CD40) runden das Angebot eines kompletten Hifi-turms ab. Auch auf dem Phonosektor erscheint mit dem CS5000 ein attraktiver Plattenspieler in einer hochwertigen Holzkonsole, wenngleich auch ohne die verspielten Besonderheiten früherer Modelle. Allerdings werden auch diese berücksichtigt und mit dem CS505-2 erscheint wieder ein alter Bekannter auf der guten alten Stahlblechplatine!
Mit dem CD40 und weiteren Modellen sieht es so aus als ob sich auch in Deutschland eine lohnendes Standbein mit der CD-Spielerfertigung aufbauen lässt. Doch trotz allem zieht New Tech nicht so wie gehofft , die erhöhte Resonanz beim Kunden bleibt aus und aus verschiedenen Gründen wird Dual auch bei einigen Fachhändlern aus dem Sortiment gestrichen – in diesen Jahren verliert Dual vieles von seinem Ruf als Marke mit hoher Qualität und Zuverlässigkeit !
1986 ist die Anzahl der Beschäftigten nochmals gesunken, die Umsätze gehen zurück und auch die CD-Spielerfertigung ist nach Thomson Plänen im Ausland doch günstiger als in Deutschland (kurioserweise fertigen Sony , Technis oder Denon als japanische Multis ihre Player in Deutschen Werken!).
Die guten Pläne werden also über den Haufen geworfen und die Einstiegsgeräte (auch die neue Plattenspielergeneration) wiederum noch einfacher und kostengünstiger produziert.
Bei der Top-Hifianlage (CV440) verzichtet man erfreulicherweise auf die Plastikfront und bietet Tuner und Verstärker (jetzt CV441) nun mit Metallfront an – halbherzig werden auf dazupassende Tapedecks oder CD-Spieler (mit Metallfront) verzichtet.
Ein letzter Versuch wieder in den gehobenen Hifibereich vorzustoßen vollführt man 1987 mit Geräten die aus Zusammenarbeit mit der Firma Rotel hervorgehen – die sog. Audiophile Concept Reihe entsteht nun. Neben 2 ordentlichen Verstärkern (PA5030 u. 5060) vergisst man leider auch hier wieder diese Reihe konsequent durchzuziehen – ein guter passender Tuner kommt zwar überteuert hinzu, aber auf dem Kassetten und CD Sektor (CD5070) folgen eher glanzlose Vertreter aus Fernost oder Frankreich die eher optisch auf Oberklasseniveau getrimmt sind!
Zu dieser Zeit sponsert Dual den Fußballverein Schalke 04 – sehr zum Kopfschütteln in St. Georgen angesichts der roten Zahlen – dieser Vertrag kam zwischen den Bekannten Führungen zustande!
Zurück zur Produktpalette kann Dual im Hifisektor nur wenige Glanzlichter setzen, auf dem Phonosektor präsentiert man eine neue Luxusversion, den Golden 1, der auf einer überarbeiten Version des CS5000 basiert – nun mit hochglänzendem Klavierlack überzogen und vergoldeten Metallteilen.
Ab 1987 zeichnen sich auch Abseits der Produktpalette Veränderungen an – lt. Thomson haben sich die Investitionen in Dual nicht gerechnet und auch in weiteren Tochterunternehmen (Saba, Nordmende) stehen Rationalisierungen bevor. Dauerhafter Erfolg mit Dual mag sich nicht einstellen, wofür mit Sicherheit auch hausgemachte Fehler im Produktmanagment eine große Rolle spielten!
Der Konzern Thomson möchte die DEWEK und Dual GmbH wieder zu einem Unternehmen zusammenführen und als unabhängigen Hifi-Spezialisten positionieren. Für das auf nunmehr um die 200 Arbeitsplätze geschrumpfte Unternemen such man nach Interessenten mit der Begründung nach außen „Dual passe nicht mehr zu den anderen Konzernmarken“.
Formell wird die Zusammenführung zum 1.Juli 1986 und so wechselt die Verwaltung von der Lepoldstraße (ehem. Werk 1) ins Werk 5 hinunter in die Industriestraße. Auch die Exportabteilung (Hannover) wird nach St. Georgen zurückgeholt.
An der Spitze von Dual stehen nunmehr 2 Geschäftsführer – die Leitung der Dewek und der Dual GmbH. Ein geändertes Vertriebskonzept dient der Manifestierung von Dual als Hifi-Spezialisten – die Produkte können nunmehr noch bei 800-1000 ausgewählten Fachhändlern bezogen werden.
Die Spekulationen um eine Trennung der Marke Dual von der Thomson Gruppe finden im August 1987 ein Ende, als verkündet wird, dass Dual von der Perpetuum Ebner GmbH und Co. KG zum 1.Oktober des Jahres "vorübergehend" übernommen wird.
Dual soll im Rahmen des von PE getragenen Technologiezentrums geführt werden.
Quelle:
- Aufstieg und Niedergang der St. Georgener Phonoindustrie von Norbert Kotschenreuther





